Hypnose Hamburg

Placebo Effekt

Der Placebo Effekt entsteht durch ein Zusammenspiel aus einer positiven inneren Erwartungshaltung und einer äußeren suggestiv wirkenden Kraft.  Bei dem Placebo Effekt handelt es sich um eine Suggestionshypnose im Wachzustand und damit genau genommen um eine sogenannte Wachhypnose. Viele Menschen erfahren den Placebo Effekt, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Hypnose handelt. Der Placebo Effekt bzw. die Hypnose, bei der mit Suggestionen gearbeitet wird, spricht die Erwartungshaltung des Menschen und damit sein Gefühl an.

Dabei wirkt lange nicht nur das gesprochene Wort als Suggestion, sondern alle die Dinge, die bei einem Menschen die Erwartungshaltung einer Besserung erzeugen.

Lässt ein Mensch den Gedanken zu, dass ihm geholfen werden kann, greift die Suggestion und es finden hirnphysiologische und körperliche Veränderungen statt: die Hypnose, der Placebo Effekt, tritt ein. Neueste Studien untermauern: Hypnose schafft eine Veränderung der individuellen Wahrnehmung durch Gefühlsveränderung. Eine Studie aus dem Jahr 2011, die sich zur Aufgabe machte, die hirnphysiologischen Reaktionen auf eine Placebo-Analgesie (Schmerzlinderung) zu untersuchen, deutet darauf hin, dass durch den Placebo- Effekt vor allem die Gefühlsareale des Gehirns eine messbare Veränderung durchmachen, vielmehr als die eigentlich schmerzverarbeitenden Hirnareale [1]. Insbesondere aufwendige Apparaturen, knallig gefärbte Tabletten (pink, grün) oder das besonders selbstsichere Auftreten eines Heilers oder Arztes sprechen das Gefühl der Menschen an und schaffen häufig erste Veränderungen.

Während meines Medizinstudiums absolvierte ich eine Famulatur bei einem Arzt für Hautheilkunde. Ich fragte mich, wieso er häufig eine Pflegecreme verschrieb, die mit einem harmlosen Hautantibiotikum in der benachbarten Apotheke für die Patienten angerührt wurde, und dies bei völlig unterschiedlichen Hauterkrankungen. Er sagte mir, dass man als Hautarzt nur in Ausnahmefällen den Patienten ohne Salbe nach Hause schicken dürfe, weil dieser sich sonst unbehandelt fühle.

Um den Glauben des Patienten an die Wirksamkeit der verabreichten Salbe zu verstärken, wählte er eine Zusammensetzung, die in der Apotheke angerührt werden musste und keine einfache Pflegecreme. Die fertige Salbe wurde dem Patienten dann vom Apotheker in einer kleinen medizinisch wirkenden Dose (weiß mit rotem Deckel) überreicht, zudem standen eine Prozentzahl und medizinische Begriffe für die Pflegecreme und das Antibiotikum auf der Dose. Dieser Hautarzt setzte Placebos bei rund einem Drittel (!) seiner Patienten ein. Und zwar immer dann, wenn er aus seiner klinischen Erfahrung wusste, dass bei der vorliegenden Problematik Medikamente nicht ansprechen würden. Ein interessantes Beispiel für einen Hautarzt, der neben der Kenntnis seines Fachgebietes den Placebo Effekt gezielt nutzte, um seinen Patienten zu helfen; leider heute noch ein Ausnahmefall unter Medizinern.

Ein weiteres Beispiel für Wachhypnose, die Nutzung von Suggestionen und den Placebo Effekt an dieser Stelle: während meiner Studienzeit in Heidelberg begegnete ich in der inneren Medizin einem chinesischen Professor und Chefarzt, der seinen Krebspatienten immer folgende sehr eindringliche Anweisung gab: „Atmen Sie tief ein...und nun atmen Sie die bösen Zellen aus!" Vielfach wurde dieser Satz von den begleitenden Ärzten und Studenten belächelt, dabei verbirgt sich doch ein äußerst nützliches mentales Werkzeug dahinter. Es wird suggeriert, dass es möglich ist, böse Krebszellen auszuatmen und dies regt den Patienten dazu an, sich vorzustellen, dass er selbst zu seiner Heilung beitragen kann. Dies kann ausschlaggebend für den Heilungsprozess sein, da ansonsten das Gefühl der Hilflosigkeit und damit Depressionen entstehen können, die die Ausheilung körperlicher Erkrankungen weiter erschweren. Insbesondere als unlösbar empfundene Probleme lösen überverhältnismäßig häufen Depressionen aus. So sieht man sehr häufig bei therapieresistenten körperlich bedingten Schmerzen Depressionen als Folgeerkrankung. Auch bei als unlösbar empfundenen weltlichen Problemen wie Schulden oder einer nie endenden Scheidung entstehen häufig Depressionen, weil diese ihren Nährboden in dem Gefühl von Hilflosigkeit finden.

Der oben genannte Professor nutzte zudem die geistige Vorstellung seiner Patienten, also Suggestionen für die Heilung, denn er wusste um die heilvolle Wirkung der positiven geistigen Vorstellung auf die körperliche Erkrankung. Heißt dies nun, dass man einfach über die Atmung und die innere Vorstellung Krebs heilen kann? Es heißt zumindest, dass man die Macht der inneren Vorstellung und der Hypnose ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung nutzen sollte, um für eine bestmöglichen Heilungschance der Erkrankung zu sorgen.

Gerade im alternativmedizinischen Bereich wird enorm viel mit dem Placebo Effekt und Wachhypnose behandelt. Häufig werden die Behandler selbst in den Placebo Effekt eingebunden indem sie sehr viel Geld für eine bestimmte Apparatur bezahlen oder eine umfangreiche Ausbildung absolvieren, bevor sie die Absolution für die Verfahrensanwendung durch ihr Ausbildungsinstitut erteilt bekommen. Weil der Behandler selbst so ein hohes Investment trägt, wird ihm ein hoher Wert seiner Gerätschaft oder seiner Ausbildung suggeriert. Dadurch greift bei ihm die Suggestion, ein hilfreiches Verfahren oder Gerät anzuwenden und er kann diese Suggestion leicht auf seine Kunden übertragen. Natürlich gibt es auch viele tatsächlich wirksame alternativmedizinische Verfahren und Ausbildungen, hierbei summieren sich dann der Suggestionseffekt und der eigentlich wirksame Effekt der Behandlung auf, was eine deutliche Steigerung der Behandlungseffektivität im Vergleich zu reinen Placebo- Behandlungen zur Folge hat. 

Der Placebo Effekt macht etwas eigentlich Unwirksames zu etwas Wirksamen. Wie bereits aufgezeigt, bewirken die positive Erwartungshaltung und die Kraft der Suggestion den eintretenden Effekt. Doch die Wirksamkeit von Placebos hat ihre Grenzen. Wenn das psychische oder körperliche Problem alleine durch die Suggestion nicht geheilt werden kann ist der Placebo Effekt/die Suggestion meist nur von kurzer Dauer. Würde man beispielsweise einen Patienten mit einer Gallenblasenentzündung operieren, ohne ihm die Gallenblase zu entfernen und ihm dabei suggerieren, die Gallenblase sei entfernt worden, dann würde sich die Symptomatik am Anfang durch die erwartete Entnahme der Gallenblase verbessern, sobald aber der Gallestau und die Entzündung wieder Überhand nehmen, würde sich der Placebo Effekt jedoch aufheben.

Ähnlich bei sogenannten Heilern, deren Anwendung keinen wirklichen Nutzen bringt: sobald sich das ungelöste körperliche oder psychische Problem wieder in den Vordergrund drängt, löst sich der Placebo Effekt wieder auf. Allerdings erreichen Heiler, die Interventionen ohne einen wirklichen therapeutischen Effekt anbieten, eben die Patienten, bei denen die psychischen oder körperlichen Symptome durch die Kraft des Placebo Effektes bzw. einer Suggestion beseitigt werden können. Dies ist häufiger der Fall als man denkt.

Manche Menschen fragen sich, ob Hypnose auch nur ein Placebo sei. Aus meiner praktischen Tätigkeit heraus kann ich sagen, dass Hypnose kein Placebo ist, da sie auch bei den Menschen funktioniert, die nicht an die Wirkung der Hypnose glauben oder anfänglich skeptisch sind. Allerdings ist mit Hypnose natürlich wie bei allen anderen Verfahren auch eine positive Erwartungshaltung verknüpft, also ist alleine das Beginnen einer Hypnosetherapie schon mit einem positiven suggestiven Effekt verbunden.

[1] Wager, T.D., et al., Predicting individual differences in placebo analgesia: contributions of brain activity during anticipation and pain experience. J Neurosci, 2011. 31(2): p. 439-52.


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