Hypnose Hamburg

Was Kinder brauchen

Wenn Sie sich fragen, wieso ich als Erwachsenen- Therapeut einen Text über die Bedürfnisse von Kindern auf meine Homepage stelle, so ist Ihre Frage nicht ganz unberechtigt. Dazu sollte man wissen, dass ein großer Anteil meiner Arbeit mit Hypnose aus Regressionsarbeit besteht, das bedeutet konkret, dass ich mit vielen meiner Patienten in der Hypnose gemeinsam eine Zeitreise in deren Kindheit unternehme. Dabei sehen die Patienten in der Hypnose die Orte, an denen sie groß geworden sind und werden von ihrem Unterbewusstsein in Momente ihrer Kindheit hineingeführt, die von großer emotionaler Relevanz sind.

Interessanterweise werden dabei kindliche Gefühle in der Hypnose nochmals real durchlebt. In vielen Fällen handelt es sich dabei zunächst um negative Gefühle, die im Laufe der Kindheit abgespalten wurden, da die Kinder sich den Erwachsenen, die in vielen Fällen auch Auslöser des eigenen Leids gewesen sind, nicht anvertrauen konnten. Wenn ein Kind negative Gefühle durchlebt und diese nicht adäquat verarbeiten kann, dann werden die Gefühle verdrängt, im Emotionsgedächtnis gespeichert und lösen später im Erwachsenenalter Selbstwertprobleme, Ängste, Depressionen, Übergewicht, Schlafstörungen und andere Symptome aus.

Weil sie als Erwachsener ohne Tranceverfahren keine Chance haben, an diese kindlichen Gefühle heranzukommen, nutze ich Hypnose als einziges Therapieverfahren, um die kindlichen Gefühle schnell zugänglich zu machen und diese durch Abreaktionen aufzulösen. Ich begleite dabei meine Patienten auf ihrer Reise, damit sie diesen (häufig nicht gerade unanstrengenden) Weg nicht alleine gehen müssen. Wenn meine Patienten in der Hypnose an kindliche Gefühle herankommen, frage ich, was sie spüren und auch, was sie sich gewünscht hätten. Durch Befragung meiner Patienten während dieser Altersregressionen in die Kindheit habe ich einige kindliche Bedürfnisse gesammelt, die für Kinder emotional enorm wichtig sind.

Ganz im Mittelpunkt des kindlichen Bedürfnisses steht das Gefühl von Liebe und Akzeptanz, welches die Eltern unabhängig von Leistung vermitteln. Wenn das Kind das Gefühl spürt, von den Eltern geliebt und akzeptiert zu werden ohne dafür etwas besonders tun zu müssen, dann haben die Eltern bereits einen der wichtigsten Schritte gemacht. Falls aber Liebe und Anerkennung nur bei Leistung –egal ob schulisch, im Haushalt oder sonst wo- vermittelt werden, wird das Kind zum emotionalen Spielball und lernt nicht, sich uneingeschränkt auf die Liebe der Eltern verlassen zu können. In der Folge entwickeln diese Kinder als Erwachsene dann häufig Tendenzen, sich selbst zu überfordern und Anerkennung bei Mitmenschen durch Leistung zu erreichen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den mir Patienten während Altersregressionen in ihre Kindheit mitteilten, war der Wunsch nach Individualität, also dem Recht sie selber zu sein. Gerade wenn Eltern sehr stringente Vorstellungen von der Person und der Zukunft ihrer Kinder haben, neigen sie dazu, Kinder einzuengen und dabei emotional zu verletzten, indem sie ihnen ihre Neigungen und Wertesysteme gewaltsam überstülpen. Wie groß das Leid ist, dass dabei den Kindern zugefügt wird, sieht man, wenn man über mehrere Hypnose- Sitzungen hinweg nichts anderes tut, als die Erwachsenen durch kindliche Trauerreaktionen hindurch zu emotionaler Erleichterung zu führen. Eine meiner Patientinnen war als Kind von ihren Eltern jahrelang zum Geige- Spielen gezwungen worden, weil die Eltern der Ansicht waren, dass die Tochter nur als Geigerin eine Chance haben würde, der osteuropäischen Armut zu entkommen. Das führte dazu, dass die Betroffene zu den besten Geigenspielerinnen ihres Landes wurde- bis sie keine Geige mehr anfassen konnte und eine Depression entwickelte. Es ist schon schlimm zu sehen, wie Eltern ihre Kinder einengen anstatt sie selbst ihren Weg gehen zu lassen. Häufig wissen die Eltern leider nicht, wie viel Schaden sie dabei anrichten.

Als ich neulich einen Geburtsvorbereitungskurs besuchte, fragte eine der Teilnehmerinnen, ob es okay sein, das Kind schreien zu lassen, das habe sie in einem Buch gelesen. Ich konnte in dem Moment nicht anders und habe darauf aufmerksam gemacht, dass man so Depressionen und Angststörungen auslösen kann, wie ich sie tagtäglich in meiner Praxis behandele. Im Zweifelsfalle hilft es immer, den eigenen gesunden Menschenverstand einzuschalten. Oder man liest ein Buch über Kindererziehung wie Babyjahre oder Kinderjahre von Remo H. Largo. Largo ist in meinen Augen ein toller Autor und Kinderarzt, der angehenden Eltern ein Bild davon vermittelt, was Kinder brauchen und was Erwachsene bei der Erziehung zu beachten haben.

Bindung- ein weiteres und elementares Bedürfnis für jedes Kind. Denn mit Bindung gehen viele andere Gefühle einher. Urvertrauen, Zuwendung, Wärme, Sicherheit und vieles mehr. Eine depressive Patientin erzählte mir einmal, wie schockiert sie war, als ihre Mutter zu Besuch war und sie aufforderte, sofort ihr Baby wegzulegen. Der Mutter hatte man leider früher beigebracht, dass man Babys nicht zu arg verwöhnen und deshalb äußerst sparsam mit körperlicher Zuneigung sein solle. Hier zeigt sich wieder einmal, wie schädlich es sein kann, ungefragt irgendwelchen Schwachsinn zu übernehmen, ohne sich seine eigenen Gedanken zu machen oder im Zweifel seiner eigenen Intuition zu vertrauen. Wieso die Patientin depressiv geworden ist, konnte man sich in diesem Fall von zwei Fingern ablesen.

Kinder brauchen Harmonie. Harmonie herrscht in einer gesunden Partnerschaft der Eltern, wohingegen ständige Streits und Anspannung Einzug halten in einer Partnerschaft, die nicht funktioniert. Wenn die Eltern überhäufig streiten, geraten die Kinder in ständige Hab- Acht- Stellung und leiden unter der Unsicherheit ihres Elternhauses. Das führt in der Regel dazu, dass Kinder versuchen, das kranke Familiengefüge mit den ihnen gegebenen Mitteln zu stabilisieren. Dazu gehört in vielen Fällen, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen und intuitiv ihre Mutter schützen. Dabei schultern die Kinder mehr Last und Verantwortung als sie eigentlich tragen können, was später im Leben zu emotionalen Problemen führt. Denn dadurch, dass die Kinder sich nicht auf den elterlichen Rückhalt verlassen können und stattdessen selber zum Rückhalt für ihre Eltern werden, entsteht der Hintergrund für das, was wir Helfersyndrom nennen. Die Betroffenen sind später als Erwachsene für alle anderen da- nur für sich selbst nicht. Ein Teil der Hypnosebehandlung in so einem Fall liegt immer darin, die Wunden der Vergangenheit auszuheilen und gleichzeitig den Weg für die eigenen (kindlichen/erwachsenen) Bedürfnisse frei zu machen.

Kinder benötigen positive Identifikationsfiguren. Wenn man genau hinschaut, dann fällt einem auf, dass die meisten Menschen unbewusst die Leben ihrer Eltern fortführen. Die Töchter leben das Leben der Mutter, die Söhne das Leben der Väter, insofern diese in der Kindheit anwesend waren. Eine starke Mutter führt in der Regel zu einer starken Tochter, genauso wie der starke Vater zu einem starken Sohn führt. Leider heißt erwachsen aber lange noch nicht stark. Und viel zu häufig werden die Begriffe Stärke und Dominanz durcheinander gebracht. Eine dominante, alkoholkranke Mutter ist die schwächste Mutter, die man sich vorstellen kann. Genauso wie ein eifersüchtiger, übergriffiger Vater sicher kein starker Vater ist.
Eigentlich brauchen wir nichts anderes zu tun, als unseren Kindern vorzuleben, wie es geht, den Rest schauen sich die Kinder von alleine ab. Idealerweise haben wir den Mut, unsere eigenen Probleme anzugehen und zu lösen, damit möglichst wenig Ballast überbleibt, der unser Leben schwieriger macht. Ein Leben in emotionaler Freiheit ist in den meisten Fällen auch ein glückliches Leben. Und wer will schon nicht glücklich leben?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Kinder wollen, dass ihre Eltern stolz auf sie sind. Haben sie auch schon einmal in einem Schwimmbad gehört, wie Kinder ihre Eltern immer und immer wieder darauf aufmerksam machen, was sie gerade tun? „Mama, guck mal wie ich springe! Mama, guck mal, jetzt! Mama, schau nochmal!“ Kinder wollen, dass die Eltern sie loben und ihnen sagen, dass sie etwas ganz toll gemacht haben. Der Subtext dabei ist: will, dass du stolz auf mich bist!

Sicher gibt es noch jede Menge weitere Bedürfnisse, die ich hier noch nicht erfasst habe. Ich habe versucht, hier schon einmal zumindest die elementarsten kindlichen Bedürfnisse aufzuzeigen. Und falls es bei Ihnen hier oder da mal „Aha“ gemacht haben sollte, würde ich mich schon sehr freuen. Wenn Ihnen noch etwas einfällt, dann teilen Sie mir es gerne mit.


[ Zur Startseite ]